«Dazu können wir nicht schweigen»
Der Churer Bischof Amédée Grab
will sich aktiv gegen die Verschärfung des Asylgesetzes einsetzen.
Geschenke sind für Bischof Amédée Grab etwas Sinnvolles,
aber sie müssen von Herzen kommen. Von der CVP und dem Bundesrat wünscht
sich der Präsident der Bischofskonferenz ein Asylgesetz, das der christlichen
Tradition der Schweiz entspricht. Im folgenden ein Auszug
aus dem Interview der NZZ am Sonntag vom 25. Dezember 2005, welcher die
schweizerische Politik und das Verhältnis zur CVP betrifft.
Zwischen der CVP und der Bischofskonferenz gibt es Differenzen. Was erwarten Sie vom Gespräch mit der CVP, das Anfang 2006 stattfindet?
Die Bischofskonferenz ist bereit, an diesem Treffen teilzunehmen, das von der CVP gewünscht wurde. Wir werden uns aber unter keinen Umständen darauf verpflichten lassen, dass wir uns nicht zur Abstimmung über das Asylgesetz äussern.
In dieser Frage sind Sie mit der CVP absolut nicht einig.
Die Bischöfe müssen klar machen, dass es sich um einen Gewissensentscheid handelt. Im Abstimmungskampf werden wir versuchen, Elemente zur Gewissensbildung beizutragen. Zu diesem Zweck suchen wir auch das Gespräch mit dem Evangelischen Kirchenbund.
Sind Parlament und Bundesrat bei den Verschärfungen im Asylgesetz vom Gewissen im Stich gelassen worden?
Es ist Aufgabe der Politik, ein Gesetz zu machen. Im Augenblick, wo der einzelne Bürger sich an der Urne entscheiden muss, haben wir die Pflicht, etwas zu sagen. Denn diese Frage hat direkt mit der Treue zum Evangelium zu tun.
Auch in anderen Fragen gibt es offensichtlich Klärungsbedarf mit der CVP.
Es geht um grundsätzliche Fragen, zum Beispiel darum, was das grosse C im Namen der Christlichdemokratischen Volkspartei bedeutet. Die Bischofskonferenz ist keine Partei. Im Sonderbund und später im Kulturkampf war die Verbindung zwischen Partei und Bischöfen selbstverständlich. Doch die damals bestehende geschlossene katholische Gesellschaft gibt es nicht mehr. Wenn sich in der neuen Konstellation eine Partei selber christlich nennt, darf ihr die Frage gestellt werden, was sie darunter versteht. Die Bischöfe dürfen ihr Erstaunen bekunden, dass eine Partei, die sich christlich nennt, in bestimmten Fragen so und nicht anders Stellung nimmt. Die CVP muss sich dafür rechtfertigen, dass ihre Entscheidungen nicht immer mit dem christlichen Glauben im Einklang stehen.
Doch die CVP hat das C im Namen und nicht das K für katholisch. Beim Partnerschaftsgesetz ist die CVP der Vorgabe der evangelischen Landeskirche gefolgt, nicht aber jener der Bischofskonferenz.
Wir stehen diesbezüglich nicht in Konkurrenz zur evangelischen Kirche, sondern sind offen. Ich wäre froh, wenn beim Treffen mit der CVP-Spitze auch Vertreter des Evangelischen Kirchenbundes dabei wären. Es geht um einen religiösen Dialog, nicht um einen konfessionellen.
Was müsste Ihnen der Bundesrat schenken, damit es für Sie ein wirklich gelungenes Weihnachtsfest wird?
Ich würde mir wünschen, dass sich der Bundesrat für eine Asylpolitik entscheidet, die der humanitären und christlichen Tradition der Schweiz entspricht. Das wäre ein sehr schönes Geschenk.